Gebete, von der künstlichen Intelligenz formuliert?
Die Reformierte Bezirkssynode diskutierte in Grenchen Zukunftsfragen der Kirche. 02.04.2026 Corine von Wartburg / SoZ Vertreten an der Tagung im Zwinglihaus in Grenchen waren Behördenmitglieder sowie Fachpersonen aus Sozialdiakonie, Katechetik, Pfarramt und Verwaltung. Zum Auftakt sprach Carsten Heyden, Religionspädagoge an der Universität Bern, über die zukünftige Ausrichtung religiöser Bildung. Er stellte die neuen Richtlinien für die kirchliche Arbeit mit jungen Menschen (0-25) vor. Sie wurden an der Wintersynode der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothum 2025 genehmigt und geben den Kirchgemeinden im Sinne eines gemeindepädagogischen Konzepts mehr Gestaltungsfreiheit. Religiöse Bildung beschrieb er anhand eines Bildes von Wassily Kandinsky: Es gibt kein eigentliches Zentrum, sondern das Zusammenspiel verschiedener Elemente steht im Fokus. So gehe es auch in der religiösen Bildung darum, Menschen ins Gespräch zu bringen, Gemeinschaft zu ermöglichen und gemeinsam das Evangelium zu entdecken.
Menschen ins Gespräch bringen Kirchgemeinden sollen als Lern und Lebensräume verstanden werden, in denen Begegnung, Beteiligung und gemeinsame Erfahrungen zentral sind. Studien zeigten, dass kirchliche Bildungsarbeit dort gelinge, wo Menschenpositive Erfahrungen machen, Gemeinschaft erleben und sich ernst genommen fühlen. «Entscheidend ist, dass Kinder und jugendliche von Anfang an mitgestalten», sagte Heyden.
KI: Mehr Freiheit oder mehr Abhängigkeit? Mit einem weiteren Inputreferat führte Axel Siegemund, Ingenieur und evangelischer Theologe, aus, dass künstliche Intelligenz für die Kirche eine grundlegende Orientierungsfragedarstellt: Dient sie der Beziehung zu Gott und stärkt sie die menschliche Freiheit oder führt sie zu neuer Abhängigkeit? Gleichzeitig zeigte er auf, wie stark KI bereits heute den Alltag prägt und zunehmend auch in kirchliche Praxis hineinwirkt, etwa bei Predigten oder Gebeten. Siegemund warnte davor, KI zur bestimmenden Instanz werden zulassen. Entscheidend sei, zwischen Daten und eigenem Handeln zu unterscheiden und die eigene Freiheit bewusst zu bewahren. Zugleich beschrieb er KI nicht nur als technische, sondern als kulturelle Kraft, die von Menschen geprägt wird und auf sie zurückwirkt. Daraus ergibt sich für die Kirche die Aufgabe, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten und ethisch zu orientieren.
Fankhauser: «Den Wandel aktivmitgestalten» Nach den beiden Keynotes wurden zentrale Fragen diskutiert und erste Einschätzungen zusammengetragen. Am Nachmittag wurden die Themen in Workshops vertieft. Den Abschluss bildete ein Plenum, in dem die Stimmen aus den Workshops zusammengeführt wurden. «Der Austausch hat deutlich gemacht, wie wichtig solche Räume für gemeinsames Weiterdenken sind. Wir wollen den Wandel der Kirche aktiv mitgestalten», sagte Barbara Fankhauser, Präsidentin der Bezirkssynode Solothurn, zum Schluss der Tagung.
Der Solothurner Teil der« Berner Kirche» Die Bezirkssynode Solothurn ist eine eigene Rechtspersönlichkeit innerhalb der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn für die Bezirke Bucheggberg, Solothurn, Lebern und Wasseramt. Sie nimmt regionale kirchliche Aufgaben wahr, wählt die Mitglieder der Kirchensynode für ihren Wahlkreis und fördert die Zusammenarbeit unter den Kirchgemeinden.
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