Plakataktion: "Advent"

„Mach‘ Dich auf, werde licht; denn Dein Licht kommt“. So fordert der Prophet Jesaja das Volk Israel auf. Seine Verheissung, dass das Licht für alle Menschen komme, dass es für alle hell würde, erfüllte sich - so deuten wir Christinnen und Christen es - 2500 Jahre später mit der Geburt Jesu Christi.

Jesaja machte sich damals Sorgen um die Zukunft Jerusalems, nachdem der Tempel zerstört und die Oberschicht Israels ins babylonische Exil verschleppt wurde:

Das Heiligtum, das Zentrum ihrer Gemeinschaft, existierte nicht mehr. Dazu waren diejenigen, die politische Verantwortung trugen, nicht mehr vor Ort und konnten dem Volk nicht mehr helfen, Weichenstellungen einzuleiten oder die Richtung des Weges empfehlen, den sie als Gesellschaft gehen sollten. Die Menschen waren heimat- und orientierungslos.

 

In unserer Zeit scheint seit Ausbruch der Pandemie – ähnlich wie damals in Jerusalem – kein Stein mehr auf dem anderen zu sein und wir einen Grossteil unserer Orientierung verloren zu haben. Wir mussten und müssen immer wieder neu lernen, nicht nur mit dem Virus, sondern auch mit unserem ganz individuellen Umgang damit, mit unseren Unsicherheiten und damit verbundenen Ängsten zurecht zu kommen. Wohin steuert unsere Gesellschaft? Welche Weichenstellungen sind die richtigen – für jeden einzelnen, für unsere Region und für das ganze Land? Wann hört es auf, dass wir uns gegenseitig Egoismus und Besserwisserei vorwerfen und damit Risse in Familien, Vereinen und Gemeinden grösser werden lassen? Jetzt wäre doch Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung besonders wichtig.

 

Für die Advents- und Weihnachtszeit ist uns mit den Worten Jesajas ein klarer Wegweiser gegeben: „Mach‘ Dich auf, werde licht“ ruft der Prophet auf. „Mach‘ Dich auf den Weg und öffne Dich“ lese ich in seinen Worten. „Werde hell, werde selber zum Licht und zeige, dass Dein Wegweiser Licht, Versöhnung, Liebe und Gerechtigkeit ist.“

Lang ist sie schon, die Zeit der Pandemie. Das Ende ist noch nicht in Sicht. Geduld ist angesagt. Die Unbeschwertheit, die entspannten Begegnungen mit allen Mitmenschen bleibt derzeit noch Sehnsucht. Genau das ist Advent: Sehnsucht! Sehnsucht nach Heil, Gerechtigkeit und Liebe.

So hörten sich die prophetischen Worte im Jahr 2021 an: „Mach Dich auf den Weg, steh auf und öffne Dich für das, was Dir auf diesem Weg geschenkt wird. Wenn Du die Ausrichtung Deines Weges vor Augen hast und Dich unterwegs beschenken lässt, kannst Du selber für andere zum Licht(-blick) werden und es wird etwas heller in der Welt.“

 

So wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine sehnsuchtsvolle, offene und bereichernde Adventszeit, frohe und helle Weihnachtstage und einen guten Start in ein gesegnetes Jahr 2022!


Dorothea Neubert, Pfarrerin in Aetingen-Mühledorf 

Gestaltung, Bossard-Grafik, Lohn-Ammannsegg

 

Plakataktion: "Düre hebe"


Besonders geduldig bin ich nicht. Zum Beispiel dann, wenn ein Programm auf meinem Computer sehr viel Zeit braucht, bis es geladen und startklar ist und ich in der Zwischenzeit nur tatenlos auf einen sich drehenden Kreis blicke. «Könnte ich meine Zeit nicht anders, sinnvoller, besser verbringen als nur im Schauen und Warten?»… und es kribbelt in mir, mein Finger klopft ungeduldig auf’s Pult und eigentlich möchte ich aufgeben… «Halt durch!» sag ich mir dann. «Alles hat doch seine Zeit» - auch das Warten und Ausharren. Ein weisheitlicher Text aus dem Alten Testament (Prediger 3) fasst diese Lebenserfahrung so zusammen: "Alles hat seine Zeit".


Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit: Geborenwerden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen, Töten und Heilen, Niederreißen und Aufbauen, Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen, Steinewerfen und Steinesammeln, Umarmen und Loslassen, Suchen und Finden, Aufbewahren und Wegwerfen, Zerreißen und Zusammennähen, Schweigen und Reden, Lieben und Hassen, Krieg und Frieden.

Was also hat der Mensch davon, dass er sich abmüht? Ich kam zum Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben zu genießen.

 

Es ist eine Kunst, sich in den Fluss der Zeiten einzufügen, sich tragen zu lassen von den Ereignissen, die einem begegnen, dabei nicht die Hände in den Schoss zu legen, sondern das anzupacken, was meine Aufgaben sind.

Es ist auch eine Kunst, über seinen Ist-Zustand hinauszublicken, weiterzuschauen als nur auf seine momentanen Probleme. Wie erleichternd und befreiend ist es, sich in allem Werden und Vergehen in Gottes Plan zu wissen – und «in der Zwischenzeit» sein Leben so gut es geht, zu geniessen und durchzuhalten. Gottes Plan zu verstehen, ist auch eine Kunst – und es gelingt immer erst im Rückblick – ganz persönlich und individuell. Gott sei Dank.

 

Gesegnete, weitblickende und geniessende Momente wünscht Ihnen

 

Dorothea Neubert, Pfarrerin in Aetingen-Mühledorf 

Gestaltung, Bossard-Grafik, Lohn-Ammannsegg 


Plakataktion: "Dra blieb"

Manchmal fällt es schwer, mit allen Gedanken bei einer einzigen Sache zu bleiben, seine Aufmerksamkeit nur auf eine Aufgabe zu richten: Da läuft die Tagesschau und daneben suchen wir im Smartphone eine vertiefte Information – während bereits die nächste Meldung der Sprecherin an uns vorbeirauscht…. Wenn ich telefoniere, ploppt eine Nachricht auf’s Handy und schwupps: schon hab ich diese gelesen und mir die Worte für eine Antwort überlegt - während meine Gesprächspartnerin in ihren Ausführungen schon ein paar Schritte weiter ist und mir dann noch eine Frage stellt, auf die ich keine Antwort geben kann….

Auch wenn manche Menschen von sich sagen, sie seien «multitasking», d.h. sie können mehrere Dinge gleichzeitig tun und denken, ist offenkundig, dass dies nur mit geteilter Aufmerksamkeit geht. Oft genug verliere ich den Faden und Kommunikation wird schwierig.

Anders Kinder: Ich staune, wie sie stundenlang konzentriert bei einem Spiel bleiben und dabei ihre Umgebung ganz vergessen können. Nichts kann sie ablenken, manchmal nicht einmal der Hunger. Bei Kindern ist die Verbindung ungestört. Der Faden, der Präsenz und ungeteilte Aufmerksamkeit symbolisiert, ist intakt. Könnten dies Erwachsene wieder lernen oder ist bei ihnen diesbezüglich schon alles verloren?

 

Als Ermutigung lese ich die Verheissung Gottes, die Josua erhält: Bei ihm sei nicht alles verloren! Gott selber nimmt Verbindung zu Josua auf, als er wegen der Aufgabe, die er übernehmen soll, völlig verunsichert und ängstlich ist, nicht weiss, was er zuerst machen, denken und planen soll, welche Prioritäten er setzen soll:

«Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.« (Josua 1,9). Gott bleibt dran an «seinem Menschen», begleitet ihn auch durch schwierige, unsichere und angstmachende Zeiten und schenkt ihm Kraft für den nächsten Schritt. Gott lädt ein, seinen Faden (wieder) aufzunehmen, gestärkt und mit ungeteilter Aufmerksamkeit auf seinem Lebensweg unterwegs zu sein, dabei seine Aufgaben zu übernehmen und darauf zu vertrauen, dass Gott wirklich seine Verheissungen erfüllt.

 

Einen strapazierfähigen Faden und genügend Vertrauen auf Gottes Verheissung wünscht Ihnen für oft trübe Novembertage

 

Im Auftrag der reformierten Bezirkssynode Solothurn:


Dorothea Neubert, Pfarrerin in Aetingen-Mühledorf

Gestaltung, Bossard-Grafik, Lohn-Ammannsegg